Grundlagen von Anleihen

US-Dollar-Scheine

Dieser Artikel behandelt die Grundlagen von Anleihen. Dabei handelt es sich um verzinste Wertpapiere, die auch als Renten oder Bonds bezeichnet werden. Als Käufer einer Anleihe leihst du dem Herausgeber (Emittent) Geld und wirst dadurch zum Gläubiger.

Bei Unternehmensanleihen werden Gläubiger im Falle einer Insolvenz vorrangig gegenüber Aktionären behandelt. Insofern tragen sie ein geringeres Risiko als Aktionäre.

Die Anleihe gewährt dir das Recht auf Rückzahlung des ausgeliehenen Betrags (Nennwert) sowie Zahlung der vereinbarten Verzinsung. Diese kann fest oder variabel sein, laufend oder in einer Summe bei Fälligkeit gezahlt werden.

Der globale Anleihemarkt hatte in 2018 laut SIFMA (Capital Markets Fact Book 2019) ein Volumen von rund 103 Billionen USD. Die Marktkapitalisierung global börsennotierter Unternehmen betrug dagegen nur ca. 75 Billionen USD. Der globale Anleihemarkt ist also deutlich größer als der Aktienmarkt.

Grund hierfür ist, dass große Akteure wie Versicherungen und Pensionsfonds überwiegend in Anleihen statt Aktien investieren, da sie sichere und planbare Erträge benötigen. Außerdem geben Staaten keine Aktien aus, verschulden sich jedoch laufend durch Ausgabe von Staatsanleihen.

Bestandteile und Eigenschaften

  • Nennwert: Der Betrag, den sich der Emittent durch Ausgabe einer Anleihe leiht und auf den sich der Zinssatz bezieht.
  • Laufzeit: Die Laufzeit reicht von unter einem Jahr bis unendlich (perpetual).
  • Zinssatz (Kupon): Fest oder variabel.
  • Rendite: Effektive Verzinsung. Sie ist abhängig u.a. von Zinssatz und Marktpreis der Anleihe.
  • Marktpreis: Der aktuelle Preis zu dem die Anleihe auf dem Kapitalmarkt handelt.
  • Bonität: Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten. Mit steigender Bonität sinkt das Risiko und die Rendite.

Darüber hinaus können noch weitere Merkmale vorhanden sein. Dazu zählt die Absicherung gegen Währungsschwankungen oder steigende Inflation. Außerdem besteht in manchen Fällen eine zusätzliche Besicherung, beispielsweise bei Pfandbriefen.

Klassifizierung von Anleihen

Nach Emittent

Staatsanleihen (Treasuries): Staatsanleihen werden von Staaten zur Finanzierung ausgegeben und bilden eine der größten Gruppen. Staatsanleihen von Emittenten bester Bonität wie Deutschland, gelten (theoretisch) als risikofrei. Ein höheres Risiko anderer Anleihen drückt sich im Credit Spread, aus. Damit ist der Renditeaufschlag gegenüber einer risikofreien Anleihe gleicher Laufzeit gemeint.

Kommunalanleihen (Municipal Bonds): Werden von Gebietskörperschaften unter der Länderebene vergeben. Zu den Emittenten zählen z. B. Städte und Gemeinden. 

Unternehmensanleihen (Corporate Bonds): Werden von Unternehmen zur Finanzierung ausgegeben. Sie weisen bei gleicher Laufzeit meist eine höhere Rendite als Staatsanleihen auf. Falls die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts höher eingeschätzt wird als eine Insolvenz eines Unternehmens kann die Rendite einer Staatsanleihe natürlich auch über der einer Unternehmensanleihe liegen. 

Nach Bonität und Rating

Diese Einteilung in Bonitätskategorien dient vor allem den institutionellen Investoren, welche in ihren Portfolios bestimmte Vorgaben per Gesetz oder im Auftrag ihrer Mandanten einhalten müssen. Beispielsweise könnten Höchstquoten oder Beschränkungen für bestimmte Bonitätskategorien bestehen.

Die Kategorien lassen sich grob unterscheiden in Investment Grade und High Yield. Investment Grade Anleihen gelten als relativ sicher, während High Yield Anleihen mit höherem Ausfallrisiko verbunden sind.

Als Ausgleich für das hohe Risiko erwarten Anleger eine höhere Rendite (Yield). Synonym wird auch die Bezeichnung “Junk Bonds” verwendet.

Dadurch stellen Junk Bonds eine interessante Alternative zu Aktien dar. Das Risiko ist durch die Gläubigerstellung grundsätzlich niedriger als bei Investition in die Aktie des gleichen Unternehmens. Trotzdem bieten High Yield Anleihen eine attraktive Rendite.

Die Aufgabe von Ratingagenturen ist die Bonitätsbewertung. Je höher die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls, umso schlechter die Bonität.

Die drei größten Agenturen sind S&P Global Ratings, Moody’s und Fitch Group. Folgende Tabelle erläutert beispielhaft die Ratingkategorien von S&P.

Ratingkategorien von Anleihen nach S&P Global Ratings

Risiken von Anleihen

Anleihen gelten zwar als sicherer als Aktien, sind aber trotzdem mit verschiedenen Risiken behaftet.

  1. Ausfallrisiko: Es besteht darin, dass der Emittent unter Umständen keine Zinszahlungen und/oder Kapitalrückzahlung leisten kann. Es lässt sich jedoch reduzieren, durch Beachtung der Bonität und Streuung der Investition in mehrere Anleihen. Die Umsetzung erfolgt dann beispielsweise mit ETFs.
  2. Zinsänderungsrisiko: Steigen die Zinsen an den Kapitalmärkten, fallen tendenziell die Kurse von Anleihen. Denn neue Anleihen werden dann höher verzinst und im Umlauf befindliche Anleihen dadurch unattraktiver. Da dieses Risiko bei Anleihen langer Laufzeit relevanter ist, lässt es sich durch Kauf von Kurzläufern reduzieren. 
  3. Inflationsrisiko: Der Wert der Kapitalrückzahlung sowie Zinszahlungen leidet unter steigender Inflation. Dieses Risiko ist ebenfalls schwerwiegender bei Anleihen mit langen Laufzeiten.
  4. Kündigungsrisiko: Manche Anleihen können vom Emittenten unter gewissen Umständen vorzeitig gekündigt werden. Die Voraussetzungen dafür stehen im Wertpapierprospekt. Eine Kündigung birgt ein Wiederanlagerisiko. 
  5. Wiederanlagerisiko: Bei Laufzeitende oder Kündigung der Anleihe besteht das Risiko, dass das freigewordene Kapital nur noch zu schlechteren Konditionen angelegt werden kann. 
  6. Wechselkursrisiko (Bei Fremdwährungsanleihen): Wertet die Fremdwährung gegenüber dem Euro ab, kommt es zu Währungsverlusten. Wenn aber der Euro gegenüber der Fremdwährung am Wert verliert, entstehen Währungsgewinne aus der Anleihe.

Pro und Contra von Anleihen als Investment

Vorteile

  • Anspruch auf Rückzahlung des Nennwerts und Zinserträge
  • Chance auf Kursgewinne bei Verkauf vor Fälligkeit
  • Als Gläubiger vorrangige Behandlung gegenüber Aktionären, bei Insolvenz des Emittenten

Nachteile

  • Bei Verkauf vor Fälligkeit Kursverluste möglich
  • Renditen im Schnitt niedriger als bei Aktien
  • Verlustrisiko bei Insolvenz des Emittenten bis hin zum Totalverlust

Die Rolle von Anleihen im Portfolio

Anleihen sind grundsätzlich weniger riskant als Aktien. Dadurch ziehen sie häufig in schwierigen Marktphasen bzw. Rezessionen Kapital an. Aktien dagegen werden in solchen Situationen tendenziell verkauft. In einem Mischportfolio reduzieren Anleihen daher das Gesamtrisiko.

Dies war beispielsweise während des Crashs im März 2020, infolge der Coronapandemie der Fall:

Published on Tradingview

Diese Grafik vergleicht den ishares Treasury ETF (blau) mit dem S&P 500 Aktienindex (orange). Während der Aktienmarkt im März drastisch eingebrochen ist, konnten Staatsanleihen im gleichen Zeitraum an Wert zulegen. Anleihen hätten also für mehr Stabilität im Portfolio gesorgt.

Bild: Libreshot

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