Emerging Markets: Wieso ich jetzt umschichte

Bei meinen beiden ETF-Sparplänen wird es Zeit umzugewichten. Aktuell liegt das Verhältnis bei ca. bei 50% Industrieländer und 50% Emerging Markets. Den Anteil der Emerging Markets im Portfolio möchte ich jetzt allerdings steigern.

Zu den ETF-Klassikern zählen unter anderem der MSCI World und der MSCI EM IMI. Diese beiden ETFs habe ich bis dato zu gleichen Teilen bespart. Sehen wir uns zunächst die beiden Kandidaten etwas genauer an:

Aktuelle Sparpläne

Industrieländer: iShares Core MSCI World UCITS ETF (Ticker: EUNL)

MSCI World Index Eigenschaften
Quelle: MSCI

Der MSCI World bietet hohes Exposure gegenüber bekannten Tech-Größen aus den USA. Schließlich sind mit Apple, Microsoft, Amazon, Facebook und Google (Alphabet) sind größten Stars der Branche vertreten. Diese 5 Titel machen zusammen bereits gut 14% des Index aus.

MSCI World Index
Geografische Gewichtung
Quelle: MSCI

Auch in der Ländergewichtung dominieren die USA mit gut 66% den Index, gefolgt von Japan mit knapp 8%. Europäische Länder sind damit von untergeordneter Bedeutung. Dafür wird der MSCI World oft kritisiert, denn für einen “Weltindex” ist die Streuung doch recht überschaubar. Ich persönlich interpretiere das jedoch als Vorteil, den die USA haben nun mal eine Wirtschafts- und Innovationskraft, die in Europa seines gleichen sucht.

Emerging Markets: iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF (Ticker: IS3N)

MSCI Emerging Markets IM Index Eigenschaften
Quelle. MSCI

Der MSCI EM IMI bietet ebenfalls ein hohes Exposure gegenüber Technologiegrößen, diesmal allerdings aus den Emerging Markets. Alibaba, Tencent und Meituan sind chinesische Stars aus dem Bereich Onlinehandel und Internet vertreten. Weiterhin sind mit Taiwan Semiconductor und Samsung bekannte Tech-Werte aus Taiwan und Südkorea enthalten. Diese fünf größten Titel machen über 24% des Index aus.

Auf den ersten Blick eine hohe Konzentration von Technologiewerten. Der Index gleicht dies aber teilweise dadurch aus, dass er auch Small- und Midcaps aus verschiedenen Branchen abbildet, wodurch sich der Einfluss der Großen Unternehmen reduziert. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung liegt mit nur 2,4 Mrd. USD deutlich unter dem Wert des MSCI World (27,2 Mrd. USD).

MSCI Emerging Markets IM Index
Geografische Gewichtung
Quelle: MSCI

In der Ländergewichtung dominiert China mit rund 40% den Index, gefolgt von Taiwan mit 13,7% und Südkorea mit 12,5%. Auch das wachstumsstarke Indien ist mit 8,5% noch recht deutlich repräsentiert. Asien ist somit überwiegend vertreten. Außerdem ist die geografische Streuung hier deutlich besser als beim MSCI World. Darüber hinaus ist die Anzahl der im Index enthaltenen Titel um ca. 1.300 höher als beim MSCI World.

Gründe für die Übergewichtung der Emerging Markets

1. Besserer Umgang mit Corona

Vor allem im asiatischen Raum haben viele Länder sehr konsequent und effektiv das Virus eingedämmt. In den USA und in Europa bewegen sich dagegen die Fallzahlen weiterhin auf einem hohen Niveau. Es wird zwar weltweit an Impfstoffen geforscht, wann diese jedoch großflächig und bedenkenlos einsatzbereit werden ist noch offen.

In westlichen und demokratisch geprägten Ländern ist es nicht unwahrscheinlich, dass es keine Impfpflicht geben wird. In den Ländern mit strengerer Führung ist dies dagegen eher zu erwarten und auch einfacher durchzusetzen. Aber auch bei nicht autoritärer Führung wäre angesichts des bisher vorbildlichen Verhaltens vieler Asiaten, eine Zustimmung der Bevölkerung zur großflächigen Impfung keine Überraschung.

China hat bereits zahlreiche testweise Impfungen durchgeführt und ist dem Westen damit potenziell um einiges voraus. Eine wesentlich frühere Auslöschung des Virus würde auch für eine schnellere und beständigere wirtschaftliche Erholung im Osten sprechen, wovon natürlich auch die Unternehmen vor Ort profitieren würden.

2. Günstigere Bewertung

Die aktuell hohe Bewertung der US-Aktien, getrieben von einem Hype um Tech-Werte, erinnert 1999. In China und anderen Schwellenländern gibt es ebenso Innovation und technologischen Fortschritt. Zwar sind auch hier aktuell die Tech-Werte die Stars an den Börsen, allerdings hat der MSCI EM IMI in den letzten fünf Jahren etwas schlechter abgeschnitten als der MSCI World.

Mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von rd. 19, bietet der MSCI EM IMI gegenüber dem MSCI World mit einem Verhältnis von rd. 24 aktuell eine attraktivere Bewertung. (Quelle: MSCI, Stand Ende Oktober 2020)

3. Wirtschaftswachstum und demografischer Rückenwind

Langfristig sprechen strukturelle Gründe für eine Wette auf Asien. Laut dem World Economic Forum leben wir im asiatischen Jahrhundert. Prognosen zufolge wird der Konsum der globalen Mittelklasse zwischen 2015 und 2030 um 30 Billionen USD wachsen. Von diesem Wachstum wird nur ca. eine Billion auf die westlichen Volkswirtschaften entfallen.

Angesichts der größeren und weiterhin wachsenden Population Asiens im Vergleich der westlichen Nationen ist dies plausibel: Die Bevölkerung Chinas und Indiens zusammen ist mit ca. 2,8 Mrd. Menschen bereits fast dreimal so groß wie die der USA und Europa (zusammen ca. 1,1 Mrd.). Darüber hinaus wächst die Bevölkerung in Asien weiterhin deutlich schneller als im Westen. In Europa schrumpft die Bevölkerung bereits.

Weltbevölkerung bis 2100

Der Anteil der Schwellenländer nimmt durch Asien und Afrika stark zu.
Bevölkerungswachstum bis 2100. Quelle: Our World in Data

Megaprojekte wie die Belt and Road Initiative (BRI) bringen asiatische Länder näher zusammen und sollen die Abhängigkeit vom Westen reduzieren. Innovationen stammen längst nicht mehr nur aus dem Silikon Valley. In vielen Bereichen der künstlichen Intelligenz sind chinesische Unternehmen den Amerikanern beispielsweise bereits voraus. Dagegen hat Europa in Sachen Zukunftstechnologien leider vergleichsweise wenig zu bieten.

Fazit

Schwellenländer werden auf lange Sicht wirtschaftlich gegenüber den Industrieländern weiter aufholen. Höhere Wachstumsraten sollten sich auch in steigendem Konsum und Wohlstand widerspiegeln. Bei den Industrieländern (MSCI World) sind die nach wie vor wirtschaftlich starken USA mit über 66% hoch gewichtet. Insofern leisten diese weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Portfolio.

Neben den langfristigen strukturellen Gründen, sprechen kurzfristig ein besserer Umgang mit der Corona-Pandemie und eine aktuell günstigere Bewertung für asiatische Aktien. Mein Ziel für die beiden Sparpläne ist daher bis auf weiteres ein Verhältnis von 60% MSCI EM IMI und 40% MSCI World.

Wie denkst du über Schwellenländer im Portfolio?

Beitragsbild: Jimmy Chan / Pexels

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